Wie alles mit einem Kölle Ring anfing
Andrea QuastShare
Kurz bevor ich 1999 mein Atelier in Lindenthal eröffnet habe, kam eine Freundin mit einer Nachricht, die man als Kölnerin erst mal sacken lassen muss: Sie zieht weg. Der Liebe wegen. Nach Düsseldorf.
Ausgerechnet.
Ganz ohne Köln wollte sie allerdings nicht gehen. Ihre Bedingung: ein Stück Heimat, das sie immer bei sich trägt. Und zwar nicht heimlich in der Schublade. „Etwas, was man auch sieht!“
Also saßen wir zusammen und haben überlegt, wie so ein Stück Köln aussehen könnte. Am Ende landeten wir beim Kölner Stadtwappen. Das klingt heute naheliegend, war damals aber noch längst nicht so verbreitet wie heute.
Gesägt, gelötet, geflucht
Ich habe verschiedene Formen entworfen, gesägt und gelötet. Dann fehlte noch die Gravur, und dafür brauchte ich einen Metallgraveur, der das wirklich kann. Gefunden habe ich ihn erst, nachdem ich durch halb Deutschland gegondelt war. Auf den Ring kam ein Zitat aus dem kölschen Grundgesetz.
Klein ist er nicht geworden. Ich hatte schon immer ein Faible für große Ringe. Im Nachhinein war das eine ziemlich gute Entscheidung.
Und dann wollten ihn plötzlich alle
Meine Freundin, inzwischen glücklich in Düsseldorf, blieb nicht lange die Einzige mit diesem Ring. Heute tragen ihn viele Paare, auch gleichgeschlechtliche, zur Verlobung oder Hochzeit. Mein erster Köln-Ring, der Kölle Ring, wurde für viele zum Trauring.
Dabei blieb es nicht:
- Manschettenknöpfe mit Wappen in unterschiedlichen Varianten, in mattem und glänzendem Silber
- ein silbernes Bettelarmband, nach dem Vorbild eines alten, goldenen Bettelarmbands mit antiken Herzen
- daraus dann meine erste Köln-Edition mit Köln-Anhängern: Dom, Geißbock, Narrenkappe, Hai, Lippenpaar fürs kölsche Bützje und eine hohl gearbeitete Stange mit der Gravur „Kölsch“
Eine Düsseldorf-Version habe ich übrigens auch mal ausprobiert. Durchschlagender Erfolg sieht anders aus. Offenbar lieben die Düsseldorfer ihre Stadt nicht ganz so sehr.
Eigentlich wollte ich ganz was anderes
Eine klassische Goldschmiedin wollte ich nie werden. Mir schwebte eher Modeschmuck-Design vor. Also bin ich nach London gegangen, für ein halbes Jahr an die Saint Martin's School of Art. Danach habe ich mich dann doch fürs Handwerk entschieden. Und irgendwann stand ich in meiner Werkstatt und habe einer Freundin geholfen, ein Stück Köln mit nach Düsseldorf zu nehmen.
Der Kölner Stadt-Anzeiger hat 2019 über diese Geschichte berichtet. Für mich hat sie aber schon viel früher angefangen. Mit einem Umzug, einem Wappen und einem ziemlich großen Ring.
Falls du jetzt selbst ein Stück Köln am Finger willst: Hier geht's zum Kölle Ring. Und wenn du eher eine eigene Idee im Kopf hast, schreib mir einfach.